Die Wechseljahre sind kein Zustand, der eines Tages einsetzt, sondern ein Übergang über Jahre. Der Östrogenspiegel sinkt, und weil dieses Hormon an vielen Stellen im Körper mitspricht, bleibt es selten bei der Regelblutung: Schlaf, Stimmung, Haut, Gelenke und die Wärmeregulierung können sich mitverändern. Wie stark, ist von Frau zu Frau sehr verschieden — manche merken kaum etwas, andere über Jahre viel.
Lebensphase
Faszienyoga in den Wechseljahren
In den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt, und viele Frauen spüren das weit über den Zyklus hinaus. Was darüber bekannt ist — auch über Bindegewebe und Nervensystem —, was sanfte Bewegung dabei unterstützen kann und wo ihre Grenzen liegen.
Der Übergang
Was verändert sich in den Wechseljahren?
Der Verlauf
Jahre, nicht ein Datum
Viele rechnen mit einem Einschnitt und erleben eine lange Strecke. Das zu wissen nimmt etwas von der Sorge, mit dir stimme etwas nicht, wenn es sich über Jahre zieht.
Perimenopause
beginnt meist zwischen Anfang 40 und Anfang 50
Der Zyklus wird unregelmäßig. Die meisten Veränderungen, die Frauen als „Wechseljahre“ erleben, fallen in diese Zeit.
Menopause
im Schnitt mit etwa 51
Die letzte Regelblutung — ein einziger Tag. Erkennbar erst, wenn zwölf Monate lang keine mehr gekommen ist.
Postmenopause
die Zeit danach
Der Östrogenspiegel bleibt niedrig. Bei vielen Frauen lassen die Beschwerden nach, manche Veränderungen bleiben.
Das Gewebe
Was haben die Wechseljahre mit dem Bindegewebe zu tun?
Östrogen ist am Aufbau von Kollagen beteiligt, dem Baustoff des Bindegewebes. Für die Haut ist gut untersucht, dass sich mit dem sinkenden Östrogenspiegel etwas am Kollagen ändert. Für Sehnen und Faszien ist das Bild weniger eindeutig, als es in vielen Ratgebern klingt: Die Untersuchungen dazu kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sicher ist, dass sich im Gewebe etwas verändert — nicht, dass es sich überall gleich verhält.
Das Nervensystem
Was hat das Nervensystem damit zu tun?
Auffällig ist etwas anderes: Wenn eine Hitzewallung kommt, ist die Herzratenvariabilität messbar niedriger — das Nervensystem steht in diesem Moment stärker auf Anspannung als auf Erholung. Beschwerden in den Wechseljahren und ein verschobenes Gleichgewicht im vegetativen Nervensystem treten also gemeinsam auf. Das ist ein Zusammenhang, keine Ursache in die eine oder andere Richtung.
Genau hier setzt die Arbeit mit dem Nervensystem an. Mehr dazu, wie das zusammenhängt, steht auf der Seite Vagusnerv & Nervensystem.
Am Hormonhaushalt ändert Üben nichts. An der Anspannung, die dazukommt, kannst du etwas tun.
Die Praxis
Wie wir üben
Vier Dinge prägen jede Einheit — unabhängig davon, welche Übungen gerade dran sind:
Langsam statt schnell
Nichts geht ruckartig, nichts wird erzwungen. Das Tempo ist so gewählt, dass du mitbekommst, was dein Körper gerade macht.
Regelmäßig statt viel
Lieber achtmal eine Stunde als einmal einen ganzen Tag. Was sich durch Üben verändert, verändert sich langsam — deshalb ist der Kurs auf acht Abende verteilt und nicht auf ein Wochenende.
Langes, ruhiges Ausatmen
Die Ausatmung ist eng mit dem Teil des Nervensystems verknüpft, der für Erholung zuständig ist. Sie begleitet jede Einheit.
Nachspüren
Am Ende jeder Stunde steht Zeit ohne Aufgabe. Für viele ist das der Teil, der im Alltag am meisten fehlt.
Die Grenzen
Hilft Faszienyoga gegen Wechseljahresbeschwerden?
Einen Satz liest du in der Werbung selten: Ob Bewegung gegen Hitzewallungen hilft, lässt sich aus den vorhandenen Studien nicht beantworten. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit kommt genau zu diesem Schluss. Bei den psychischen Beschwerden sieht es anders aus — dort fand eine Übersicht über Yoga-Studien kurzfristig einen moderaten Hinweis auf Nutzen.
Faszienyoga ist keine Behandlung der Wechseljahre und kein Ersatz für ärztlichen Rat. Ob eine Hormontherapie für dich infrage kommt, besprichst du mit deiner Ärztin — dazu sage ich hier bewusst nichts. Was ich anbieten kann, ist Bewegung, die sich gut anfühlt, und Zeit, in der dein Nervensystem zur Ruhe kommen darf.
Was bleibt, ist eine Verabredung mit dir selbst: anderthalb Stunden in der Woche, in denen es nichts zu leisten gibt. Das ist wenig versprochen — und für viele genau der Punkt.
Weiterlesen: Vagusnerv & Nervensystem und Faszien & Gesundheit. Neu hier? Was ist Faszienyoga? erklärt die Praxis von Grund auf.
Lust, es auszuprobieren?
Zu diesem Thema entsteht gerade ein Kompaktkurs in Dillingen: acht Abende, mit Übungen zum Mitnehmen und einem Leitfaden für zu Hause. Ein Startdatum gibt es noch nicht, vormerken lassen kannst du dich schon. Die Videokurse sind allgemeines Faszienyoga, kein Wechseljahres-Programm.
Keine Vorkenntnisse nötig — jede Übung lässt sich anpassen.