Faszienyogamit Melanie

Lebensphase

Faszienyoga in den Wechseljahren

In den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt. Viele Frauen spüren das weit über den Zyklus hinaus, bis hin zu dem Gefühl, dass sich der eigene Körper plötzlich anders anfühlt. Hier liest du, was darüber bekannt ist — auch über Bindegewebe und Nervensystem — und was sanfte Bewegung dabei kann und was nicht.

Der Übergang

Was passiert in den Wechseljahren?

Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase, in der sich der Hormonhaushalt umstellt: Zu Beginn schwanken die Hormonspiegel stärker, im weiteren Verlauf nimmt vor allem die Östrogenproduktion ab. Östrogen wirkt an vielen Stellen im Körper — deshalb verändert sich häufig nicht nur der Zyklus. Auch Schlaf, Stimmung, Haut, Gelenke, Energie und die Regulation der Körpertemperatur können sich verändern; Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche gehören zu den bekanntesten Beschwerden. Wie stark du das merkst, ist sehr verschieden: Manche spüren kaum etwas, andere nehmen über mehrere Jahre deutliche Veränderungen wahr. Was davon woher kommt und was sich behandeln lässt, gehört in ärztliche Hände — hier geht es darum, zu verstehen, was im Körper passiert.

Der Verlauf

Ein Übergang, kein einzelner Tag

Die Menopause selbst ist genau genommen ein einziger Tag: die letzte Regelblutung, und erst im Rückblick zu erkennen. Die Wechseljahre drumherum dauern Jahre — eine Phase, in der sich dein Körper Schritt für Schritt verändert. Wenn diese Phase bei dir über Jahre geht, heißt das nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt: Dein Körper ist in einem natürlichen Wandel, und der darf seine Zeit brauchen.

  1. Perimenopause

    beginnt meist zwischen Anfang 40 und Anfang 50

    Der Zyklus wird unregelmäßig. Die meisten Veränderungen, die Frauen als „Wechseljahre“ erleben, fallen in diese Zeit.

  2. Menopause

    im Schnitt mit etwa 51

    Die letzte Regelblutung — ein einziger Tag. Erkennbar erst, wenn zwölf Monate lang keine mehr gekommen ist.

  3. Postmenopause

    die Zeit danach

    Der Östrogenspiegel bleibt niedrig. Bei vielen Frauen lassen die Beschwerden nach, manche Veränderungen bleiben.

Die Wechseljahre dauern im Schnitt fünf bis acht Jahre — bei manchen drei, bei anderen über zehn. Alle Zahlen sind Durchschnittswerte.

Das Gewebe

Was haben die Wechseljahre mit dem Bindegewebe zu tun?

Östrogen spielt eine Rolle bei Aufbau und Erhalt von Kollagen, einem wichtigen Baustoff des Bindegewebes. Für die Haut ist gut untersucht, dass sich der sinkende Östrogenspiegel auf den Kollagengehalt und damit auf die Gewebestruktur auswirken kann. Bei Sehnen und Faszien ist die Studienlage weniger eindeutig: Die Untersuchungen kommen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wer sagt, Faszien würden in den Wechseljahren „verkleben“ oder ihre Spannkraft verlieren, sagt also mehr, als die Studien hergeben. Sicher ist nur, dass sich mit den hormonellen Veränderungen auch das Gewebe verändert.

Etwas anderes ist es, wenn Gewebe über lange Zeit kaum bewegt wird — das ist nicht dasselbe wie die hormonelle Umstellung. Was darüber bekannt ist, steht auf der Seite Faszien & Gesundheit.

Das Nervensystem

Was hat das Nervensystem mit den Wechseljahren zu tun?

Beim Nervensystem gibt es einen konkreten Messwert: Während einer Hitzewallung ist die Herzratenvariabilität im Mittel niedriger — sie beschreibt, wie stark der Abstand zwischen zwei Herzschlägen schwankt. Das ist ein Hinweis darauf, dass das vegetative (auch autonom genannte) Nervensystem in diesem Moment stärker auf Anspannung als auf Erholung eingestellt ist. Beschwerden in den Wechseljahren und ein verschobenes Gleichgewicht in diesem Nervensystem treten also gemeinsam auf. Was davon Ursache ist und was Folge, ist damit nicht gesagt.

Im Faszienyoga wird mit ruhigem Atem, langsamer Bewegung und Zeit zum Nachspüren geübt. Das ist kein Eingriff in den Hormonhaushalt und keine Behandlung von Hitzewallungen. Wie Atmung und Nervensystem zusammenhängen, erklärt die Seite Vagusnerv & Nervensystem.

Am Hormonhaushalt ändert Üben nichts. Was du üben kannst, ist der Umgang mit Anspannung.

Die Grenzen

Was ist über Yoga und Wechseljahres­beschwerden bekannt?

Einen Satz liest du in der Werbung selten: Ob Bewegung gegen Hitzewallungen hilft, lässt sich aus den vorhandenen Studien nicht beantworten. Zu diesem Schluss kommt eine große unabhängige Übersichtsarbeit, die weltweit alle Studien zu einer Frage zusammenträgt (Cochrane). Bei Stimmung und innerer Unruhe sieht es anders aus — dort fand eine Übersicht über Yoga-Studien kurzfristig einen moderaten Hinweis auf Nutzen.

Faszienyoga ist keine Behandlung der Wechseljahre und kein Ersatz für ärztlichen Rat. Ob eine Hormontherapie für dich infrage kommt, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt — dazu sage ich hier bewusst nichts.

Was ich anbieten kann, ist etwas anderes: 90 Minuten nur für dich — zum Atmen, Dehnen, Bewegen und Loslassen. Nicht, um mehr zu leisten, sondern um dir selbst etwas Gutes zu tun. Das ist wenig versprochen — mehr verspreche ich dir hier auch nicht.

Die Praxis

Wie wir üben

So unterrichte ich — in den laufenden Stunden genauso wie im geplanten Kompaktkurs. Vier Dinge prägen jede Einheit, unabhängig davon, welche Übungen gerade dran sind:

  • Langsam statt schnell

    Nichts geht ruckartig, nichts wird erzwungen. Das Tempo ist so gewählt, dass du mitbekommst, was dein Körper gerade macht.

  • Regelmäßig statt viel

    Lieber acht Abende über acht Wochen als ein einzelnes langes Wochenende — so ist der Kompaktkurs geplant.

  • Langes, ruhiges Ausatmen

    Die Ausatmung ist eng mit dem Teil des Nervensystems verknüpft, der für Erholung zuständig ist. Sie begleitet jede Einheit.

  • Nachspüren

    Am Ende jeder Stunde steht Zeit ohne Aufgabe. Für viele meiner Teilnehmerinnen ist das der Teil, der im Alltag am meisten fehlt.

Weiterlesen: Vagusnerv & Nervensystem und Faszien & Gesundheit. Neu hier? Was ist Faszienyoga? erklärt die Praxis von Grund auf.

Lust, es auszuprobieren?

Zu diesem Thema entsteht gerade ein Kompaktkurs in Dillingen: acht Abende, mit Übungen zum Mitnehmen und einem Leitfaden für zu Hause. Ein Startdatum gibt es noch nicht, vormerken lassen kannst du dich schon. Die Videokurse sind allgemeines Faszienyoga, kein Wechseljahres-Programm.

Keine Vorkenntnisse nötig — jede Übung lässt sich anpassen.